Mittlerweile bin ich schon drei Wochen zu Hause bzw. aus dem Krankenhaus zurück. Seit der zweiten Woche geht es mir immer besser, so dass wir diese Woche sogar für einige Tage nach Heidelberg fahren und unsere Kinder und Enkelkinder sehen konnten.

Liebe Familie, liebe Freunde,

Es fühlt sich ein bisschen nach neu gewonnener «Freiheit» an, wenn wir mal nach vielen Monaten wieder für einige Tage nach Deutschland reisen können. Das bedeutet, dass ich mich gut genug fühle, um diese Reise zu unternehmen. Ich fühle mich wirklich wieder ziemlich normal; Appetit und Verdauung sind schon seit einiger Zeit wieder in Ordnung gekommen. Nur die Kräfte fehlen noch, was ich dann merke, wenn ich z.B. eine Treppe nach oben steigen oder beim Spaziergang den Berg hinauf gehen muss. Ansonsten sind auch meine Blutwerte insgesamt weiter sehr verbessert und der Wert, der die Krankheit anzeigt, auf nur noch 6% des Mitte April beim ersten Mal gemessenen Wertes gesunken.

Das ist nicht bei Heidelberg, sondern im Schwarzwald, einige Kilometer weiter südlich; ich habe es 2015 bei einer Herbstwanderung aufgenommen.

Wir haben uns eine kleine Ferienwohnung in den Weinbergen von Heidelberg gemietet, und haben die Tage im wesentlichen mit den Enkelkindern verbracht; heute kam auch noch unsere jüngste Tochter mit ihren drei Kindern zu Besuch; sie wohnen etwas mehr als eine Stunde Autofahrt von Heidelberg entfernt. Dank des wunderbaren «goldenen» Septemberwetters konnten wir am Morgen einfach zwei Stunden mit ihnen auf einem Waldspielplatz verbringen und uns dann wieder für eine Mittagspause zurückziehen.

Unser Sohn und seine Frau haben kürzlich eine Doppelhaus-Hälfte in Sandhausen gekauft; diese Woche ist er mit tatkräftiger Unterstützung seines Bruders und Schwagers und zum Teil anderen Helfern am Renovieren. Es gibt noch sehr viel zu tun. Wir können fast nicht tatenlos daneben stehen und zuschauen; wobei ich mehr dadurch helfe, dass ich auf die beiden Enkeltöchter aufpasse. Sie lieben besonders meinen bequemen Liegestuhl, und jedes Mal, wenn ich mich im Garten hineinsetze, wollen sie auch unbedingt mit drauf. Wir sind froh, dass sie gesund sind; andernfalls wäre dieser enge Kontakt auf keinen Fall ratsam. Auch so begegne ich ihnen dank des warmen Wetters nur im Freien. Aber die Anhänglichkeit der Enkel und die Zeit mit ihnen tut so gut. 

Mein nächster Untersuchungstermin ist Anfang Oktober; dann kann ich wieder berichten, wie es mit der Therapie weitergeht. Aber nach dem Stand von heute werde ich im November oder Dezember ein zweites Mal am Uni-Spital Zürich die Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Eigenstammzellen-Retransfusion auf mich nehmen müssen. Je mehr Zeit vergeht seit dem ersten Durchgang, desto mehr verblasst die Erinnerung an die schweren Tage; darum erscheint mir jetzt die Aussicht auf ein zweites Mal nicht mehr so schlimm wie unmittelbar nach dem ersten Mal. Jetzt sage ich mir, dass ich es doch mit Gottes Hilfe das erste Mal auch durchstehen konnte. Ich hoffe, dass ihr die goldenen Septembertage auch genießen könnt oder konntet, was insbesondere nach dem doch eher verregneten Sommer eine echtes Geschenk ist.

Herzliche Grüße
Andreas